Der blaue Faden

Vor der letzten Partie des Jahres gegen den Sportclub aus Freiburg geht es mal wieder um nicht weniger als alles. Der Big City Club droht sich in den provinziellen Gefilden der Tabelle festzusetzen. Auch das ist nicht neu.

Nicht wenige Fans wünschen sich eine Niederlage. Nicht etwa, weil sie die Liebe zu ihrem Verein verloren hätten, sondern gerade weil ihnen Hertha BSC am Herzen liegt. Das klingt paradox. Ist bei genauerem Hinsehen aber nicht ganz abwegig.

Auf der Suche nach einer Konstante der vergangenen Jahre und der damit verbundenen Mittelmäßigkeit kommt man um den Namen Michael Preetz nicht herum. Denn schaut man zurück, so ist er die einzige kontinuierlich wirkende Größe im Kosmos Hertha BSC. Er ist, wenn man so will, der blaue Faden.

Spieler kamen und gingen, Systeme wechselten und die verschiedensten Trainerteams versuchten sich daran, Hertha BSC im oberen Tabellendrittel zu etablieren. Zwar sagt man Preetz ein gutes Händchen in Sachen Transfers nach, doch was Trainer betrifft, so ist er mindestens glück- bzw. fantasielos geblieben.

TrainerSpielePunkte
Funkel330,94
Babbel551,87
Skibbe50
Rehhagel140,86
Luhukay921,53
Dardai1721,38
Covic141,21
Klinsmann101,2
Nouri41,25
Labbadia221,18

Die rufschädigende Posse um Jürgen Klinsmann markiert dabei nur die Spitze eines Eisbergs, auf den man, um bei dem Bild zu bleiben, seit Jahren stoisch zusteuert.

Aber was kann man Michael Preetz eigentlich vorwerfen? Man kann ihm zweifelsfrei unterstellen, stets nach bestem Wissen und Gewissen agiert zu haben. Niemand engagiert wissentlich den „falschen“ Trainer. Und auch Transferflops sind immer erst im Nachhinein als solche zu erkennen. Und überhaupt: Michael Preetz ist ein verdienter Herthaner. Das muss man anerkennen.

Wenn man ihm etwas vorwerfen kann, dann ist es die fehlende Ambition. Er scheint sich mit der Rolle unseres Vereins und vor allem aber mit seiner eigenen Rolle bei Hertha BSC arrangiert zu haben. Nie war das offensichtlicher als jetzt. Während Windhorst vom Big City Club spricht, gibt sich Preetz als Mahner und Realist. Das ist legitim. Aber unambitioniert.

Wer 80 Millionen Euro für Offensivkräfte ausgibt, der muss gewinnen wollen. Der muss Großes vorhaben und vor allem groß denken. Der muss Ziele setzen, die man andernorts belächelt. Es braucht Energie, Willen und ein wenig Größenwahn.

Wer all das nicht will oder kann, der ist kein Feigling oder Zauderer. Der ist eventuell sogar vernünftig und besser beraten. Aber beides geht nicht. Es scheint fast, als könne das nicht funktionieren: Windhorst und Preetz. Vielmehr muss es heißen: Windhorst oder Preetz.

Und nach all den Jahren, in denen Michael Preetz die sportliche Verantwortung für Hertha BSC hatte, dürfte die Antwort der Fans auf diese Frage nicht nach seinem Geschmack ausfallen.

Eine Niederlage gegen den SC Freiburg könnte das weihnachtliche Resümee der Verantwortlichen bei Hertha BSC zu Ungunsten des Michael Preetz ausfallen lassen. Und ganz vielleicht sogar einen echten Umbruch einleiten.

HaHoHe

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