Underground of Berlin

„Diese Geschichten sind Wahnsinn“

Mit „Underground of Berlin“ veröffentlicht die Streaming-Plattform DAZN eine Coming-of-Age Dokumentation über Änis Ben-Hatira und Chinedu Ede. Um Fußball geht es nur am Rande. Und genau das ist die Stärke der mehrteiligen Serie.

Im Leben geht es um Entscheidungen. Es geht um falsche Entscheidungen, richtige und solche, die nie getroffen wurden. Bei den Machern von „Underground of Berlin“ hat man gleich die allererste Entscheidung richtig getroffen. Diese Dokumentation hätte ein Portrait der Profi-Fußballer Ben-Hatira und Ede werden können. Stattdessen wurde es ein Film über die Menschen Änis und Chinedu. Die Perspektive? Eine bislang ungesehene Innenansicht, kommentiert von Freunden, Wegbegleitern, Familie und Zaungästen.

Intime Einblicke in die „Bad Generation“

Das Erstaunlichste an „Underground of Berlin“ ist, dass diese Dokumentation noch niemand zuvor gemacht hat. Zwar wurde die hochbegabte, aber mindestens gleichsam unverbesserliche Weddinger Clique um Prince Boateng als „Bad Generation“ zum Berliner Boulevard-Kulturgut, niemand jedoch hatte sich bisher die Mühe gemacht, die Geschichten von Änis, Chinedu, Prince, Ashkan und Patrick zu einem Bild zusammenzufügen. Bis jetzt.

Wer eine typische Success Story nach amerikanischem Vorbild erwartet, den dürfte „Underground of Berlin“ enttäuschen. Erzählt werden die Biografien zweier Typen, die fast grotesk exemplarisch für eine ganze Generation junger Berliner Straßenfussballer stehen. Geboren in von Einwanderung geprägten Milieus wie Berlin-Wedding, aufgewachsen in den Käfigen einer Stadt, die rauer ist, als es junge, orientierungslose Heranwachsende normalerweise verkraften können. Jungs wie Änis, Chinedu und Prince hätten es leicht gehabt von dem, was wir gerne mal überheblich den „rechten Weg“ nennen, abzukommen. Sie trafen eine Entscheidung. Für den Fußball.

Scheitern, selbst im Erfolg

Matthias Faidt und Marco Gundel gehen in ihrem Film an die Anfänge, sprechen mit Förderern, Trainern, Brüdern und Freunden. Vor allem aber mit Änis und Chinedu. Sie fangen wunderbare, melancholische, alberne, nachdenkliche und ehrliche Momente ein und lassen uns erstmals eine echte Idee davon bekommen, wer diese „Bad Generation“ überhaupt wahr. Angehimmelt, aber unverstanden. Angefeindet, aber bewundert.

„Underground of Berlin“ erzählt nicht nur die Geschichte zweier Fußballer, sondern gibt ungewöhnlich intime, unterhaltsame, authentische und unverstellte Einblicke in das Innenleben zweier Menschen, die selbst im Erfolg die herbsten Niederlagen, die das Leben zu bieten hat, einstecken mussten. Auf dem Platz und daneben. Beide haben dabei, das wird schnell klar, weder ihren Humor, noch ihren Glauben verloren. Und am allerwenigsten ihre Identität. Eine Identität, nach der man bei ihrem Heimatverein Hertha BSC immer wieder sucht. Dabei liegt sie doch zum Greifen nah. In den Geschichten von Änis und Chinedu.

Anmerkung: Für diese Rezension hat DAZN die ersten drei Episoden von „Underground of Berlin“ zur Verfügung gestellt.


Underground of Berlin
Staffel 1
3 Episoden
ab 10.12. auf DAZN

Fünf Freunde, die bei Hertha BSC zur Bad Generation des deutschen Fußballs werden. Aufgewachsen in Berlins miesesten Ecken. Änis Ben-Hatira, Chinedu Ede, Kevin-Prince Boateng, Ashkan Dejagah und Patrick Ebert sind die letzten echten Käfigkicker. Ausnahmetalente mit riesigem Potenzial: Königsklasse, Rampenlicht, Millionenverträge, alles ist möglich. Die einen spielen Weltmeisterschaften, die anderen stürzen ab und einer beginnt, den Fußball zu hassen. Gemeinsam werden sie zu Vorbildern einer ganzen Generation.

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